Geschichte der CFS

Als Gymnasium besteht unsere Schule seit 1960. Mit ihren Wurzeln reicht sie allerdings zurück bis um 1900.

I.

Die erste Vorgängerschule des Clara-Fey-Gymnasiums war eine 1902 von Bürgern aus dem Schleidener Tal gegründete und getragene Töchterschule. Da der Besuch der Höheren Schule im Schleidener Tal damals nur Jungen vorbehalten war, wollten die Initiatoren mit dieser Schule auch ihren Töchtern eine überdurchschnittliche Bildung angedeihen lassen. Als Schulraum - anfangs hatte die Töchterschule nur neun Schülerinnen und eine einzige Lehrerin - diente bis 1918 im wesentlichen der spätere Ratskeller. Dieser Raum wurde jedoch 1918 von den Franzosen zur Einquartierung von Besatzungstruppen mit ihren Pferden beschlagnahmt. 1918 wurde die "Höhere Mädchenschule" von den Schwestern vom armen Kinde Jesus übernommen, die sich 1917 in Schleiden niedergelassen hatten. Zu dieser Zeit verfügten die Schwestern allerdings noch nicht über das schöne und geräumige Anna-Clara-Haus, sondern wohnten zunächst in "unserem kleinen Häuschen" (= Haus Geisen) an der Blankenheimer Straße, wo sie trotz der Enge auch noch ihre Schülerinnen unterrichteten.

Durch die Ordensfrauen erhielt die Schule jetzt einen spürbaren Auftrieb. Sie gaben ihr bei aller Toleranz einen deutlichen konfessionellen Akzent, bezeichneten ihre Klassen als Sexta, Quinta usw. und arbeiteten zielstrebig nach den offiziellen Richtlinien für höhere Lehranstalten. Die Schule bekam einen so guten Ruf, daß manche Schülerinnen erhebliche Strapazen auf sich nahmen, um sie überhaupt besuchen zu können. Da infolge der Nachkriegswirren die Schleidener Talbahn lange nicht fuhr, legten manche Kinder zeitweise z. B. den Weg von Kall nach Schleiden und retour zu Fuß zurück. Aber ihre Strapazen lohnten sich. Denn nach Abschluß der von den Schwestern geleiteten Schule konnten die Schülerinnen auf jede zum Abitur weiterführende Frauenoberschule in größeren Städten übergehen. Da die Höhere Mädchenschule immer mehr Zulauf erhielt, wurde die Raumfrage seit Anfang der zwanziger Jahre ein immer drängenderes Problem. Nach und nach wurden die Klassen daher für längere Zeit in verschiedenen Häusern innerhalb der Stadt untergebracht, bevor sie am 30. Juni 1928 alle in das inzwischen erbaute Anna-Clara-Haus übersiedeln konnten.

Ostern 1939 schlossen die Nationalsozialisten die Schule. Die meisten Schülerinnen gingen nun zum Städtischen Gymnasium über. Dieses erhielt jetzt die Erlaubnis, Mädchen aufzunehmen.

II.

Am 21. April 1960 wurde die "Höhere Mädchenschule" der Schwestern vom armen Kinde Jesus als "Anna-Clara-Schule" wiedereröffnet. Die Anfänge von 1960 waren zwar auch ärmlich, aber doch nicht ganz so dürftig wie diejenigen von 1902. Die zunächst 33 Sextanerinnen wurden in einem rasch hochgezogenen Notbau untergebracht, der trotzstarker Behinderung durch die Witterungsverhältnisse noch gerade rechtzeitig zum Beginn des Schuljahres 1960 fertiggestellt worden war. Die Schülerinnen wurden zunächst von vier Lehrerinnenunterrichtet, einer weltlichen, Frau Martha Kluck, und drei geistlichen. Schwester Maria Lioba Ottenwar die einzige hauptamtliche Lehrerin und zugleich Schulleiterin. Sie unterrichtete die FächerReligion, Deutsch, Geschichte, Englisch, Mathematik und Erdkunde. Fast der gesamte wissenschaftliche Unterricht lag damit in ihrer Hand. Unter ihrem Einfluß nahm das mit der Neueröffnung der Schule notwendig verbundene Bauvorhaben schnell konkrete Formen an.


Bereits am 5. September 1965 konnte Bischof Dr. Johannes Pohlschneider das neue Schulgebäude, sozusagen die "Grundschule" des nun fertiggestellten CFG-Gesamtkomplexes, einweihen. Dem zügigen äußeren Aufbau der Schule entsprach eine zügige innere Entfaltung. War die Anstalt zum 2. Februar 1960 zunächst nur als "in Entwicklung" bestätigt worden, wurde sie am 25. Januar 1966 als Vollanstalt genehmigt; 1968 führte das Clara-Fey-Gymnasium erstmals die Abiturprüfungen durch. Mit der Genehmigung der Schule als Vollanstalt fiel zeitlich auch die Umbenennung der Anna-Clara-Schule in "Clara-Fey-Gymnasium" zusammen (2. Februar 1966). Die Festlegung auf den Namen "Clara Fey" signalisierte, in welchem Geist künftig das Gymnasiumgeführt werden sollte. Clara Fey ist also nicht nur ein Name, sondern ein Programm. Clara Fey (1815 geb. in Aachen, 1894 gest. in Simpelveld/Holland) widmete sich ganz der Erziehung armer Kinder, deren es im Zeitalter der Industriellen Revolution auch im Raum Aachen erschreckend viele gab. Um ihnen helfen zu können, gründete sie 1844 den Orden der "Schwestern vom armen Kinde Jesus" und baute mehrere Schulen und Kinderhäuser. Es kam ihr nicht nur auf das körperliche Wohlbefinden ihrer Schützlinge an, sondern vor allem auf deren geistige Zucht und seelische Geborgenheit. Der jeweils als Gründungstag gefeierte 2. Februar soll an diese Zielsetzung erinnern. Die siebziger Jahre bescherten dem Clara-Fey-Gymnasium gewaltige Turbulenzen. Bedingt wurden diese zum einen durch die politisch vorgegebene inhaltliche und organisatorische Umgestaltung des gesamten Bildungswesens.

Zum Ende des Schuljahres 1971/72 riefen die Schwestern zunächst die Direktorin Maria Lioba ab, um sie mit der Leitung des Gymnasiums Marienberg in Neuss zu betrauen. Mit Wirkung vom 1. Juli 1973 überführten sie zudem das Clara-Fey-Gymnasium in die Trägerschaft des Bistums Aachen. Das CFG wurde nun "Privates Bischöfliches Mädchengymnasium". Der Wechsel in der Trägerschaft markiert eine tiefe Zäsur in der Entwicklung des Clara-Fey-Gymnasiums. Während die religiöse Grundeinstellung und die innere Zielsetzung der Schule kontinuierlich gewahrt blieben, änderte sich ihre äußere Organisation geradezu dramatisch.

Am 1. August 1974 übernahm Oberstudiendirektor Volker Schwinn die Leitung des Clara-Fey-Gymnasiums. Er führte die vom Gesetzgeber vorgeschriebene und von den Schwestern bereits begonnene Reform der Mittel- und Oberstufe fort, wollte dabei aber das Gymnasium trotz der ständig wachsenden Leistungsanforderungen menschlicher gestalten. So versuchte er, der durch die Oberstufenreform drohenden Entpersönlichung und Verunsicherung der Schüler entgegenzuwirken insbesondere durch die Ingangsetzung eines ständigen Gespräches zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, durch gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Unterrichts, Auslandsaufenthalte u. ä.. Die vollständige Verwirklichung der Mittel- und Oberstufenreform, das damit verbundene differenzierte Fächerangebot und die Öffnung der Oberstufe auch für Jungen führten seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre zu einem enormen Anwachsen der Schülerzahlen.

1978 zählte die Schule 500,1982 schon 650 Schüler/innen. Die Folge dieser Entwicklung war, daß das 1965 für ca. 300 Schülerinnen fertiggestellte Schulgebäude immer weniger ausreichte. Ähnlich wie in ihren allerersten Anfängen wurde die Schule wieder von Platzmangel geplagt. "Da gab es nur zwei Möglichkeiten", schrieb damals eine Schülerin der Oberstufe: "erstens, das altbewährte Ölsardinenprinzip anzuwenden und die Schüler schichtweise zu stapeln, oder zweitens, einen Erweiterungsbau zu errichten." Dieser Erweiterungsbau wurde dann auch 1979 von der Schulkonferenz des Bistums beantragt, in den folgenden Jahren geplant und gebaut und zur Feier des 25-jährigen Jubiläums des Clara-Fey-Gymnasiums am 2. Februar 1985 von Bischof Klaus Hemmerle eingeweiht. Hatte man 1985 bei der Einweihung des Erweiterungsbaus geglaubt, den Platzmangel der Schule nun mehr endgültig behoben zu haben, so sah man sich in dieser Annahme bald abermals enttäuscht.

Von immer mehr Eltern nämlich wurde der Wunsch geäußert, das CFG auch in den Eingangsklassen für Jungen zu öffnen. Dieser Wunsch schien zudem sowohl aus pädagogischen Gründen als auch von der sich abzeichnenden Entwicklung der Schülerzahlen her sinnvoll. Daher entschloß sich das Bistum nach vorheriger intensiver Beratung mit der Schulleitung und dem Kollegium, ab dem Schuljahr 1989/90 am Clara-Fey-Gymnasium die Koedukation schon ab dem 5. Schuljahr durchzuführen. Da jetzt auch die Schülerzahlen in den unteren Klassen in den nächsten Jahren stark anschwollen und die Schule nunmehr rund 900 Schüler/innen zu zählen begann, wurde die nochmalige, jetzt (1995) abgeschlossene Erweiterung bzw. Aufstockung der Schule nötig.

Bruno Lang