Schulseelsorger

Schulseelsorger Bruno Müller
  • Gesprächs-, Beratungs- und Begleitangebote für SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern, Familienangehörige
  • Anlaufstelle in Krisensituationen u. Notfällen
  • beauftragter Ansprechpartner bei sexuellem Missbrauch und Missbrauchsverdacht
  • Tel.: 02445 - 918001 (auch außerhalb der Unterrichtszeiten)
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Kirche in die Schule bringen

Schulseelsorger im Bistum Aachen. „Die Schüler wissen, da hat jemand Zeit für ihre Sorgen“
Von Gunnar Tameer Eden
 
Schulseelsorger und Pastoralreferent Bruno Müller hat das Vertrauen vieler Schüler gewonnen. Der Umgang miteinander ist herzlich. Fotos: Gunnar Tameer Eden„Als ich als Schulseelsorger angefangen habe, sagte mir eine erfahrene Schulseelsorgerin, dass ich fünf Jahre bräuchte“, berichtet Bruno Müller (51), Pastoralreferent und Schulseelsorger am Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasium Schleiden. Das erschien ihm als sehr lange Zeit, um wirklich „drin“ zu sein.

Bruno Müller: „Heute, nach sechs Jahren, weiß ich, was damit gemeint war.“ Es brauchte einfach Zeit, um wirklich Vertrauen zu schaffen nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei den Lehrern und der Schulleitung.

Denn natürlich kommen den Schulseelsorgern oft heikle Themen zu Ohren. Schüler brauchen die Sicherheit, dass sie nicht an die Lehrer „verraten“ werden, Lehrer möchten natürlich nicht „in die Pfanne gehauen“ werden, wenn Schüler über Probleme mit den Lehrern berichten. Und dennoch muss zwischen den „Parteien“ viel vermittelt werden. „Da erfordert viel Kommunikation“, bestätigt auch Frank Klinkenberg (44). Er ist hauptsächlich an der Bischöflichen Liebfrauenschule in Eschweiler als Schulseelsorger tätig, betreut aber auch Projekte an anderen Schulen.

Schulseelsorge als Auftrag der Kirche

Beide stellen sich einer anspruchsvollen Aufgabe: Wie kann man kirchliche Arbeit in der Schule integrieren? „Denn Schule ist ein geschlossenes System, das in sich funktioniert. Um als Schulseelsorger gesehen zu werden, ohne in Schubladen gesteckt zu werden, ist viel zu tun“, so Klinkenberg. „Ständige Präsenz ist das Allerwichtigste“, sagt Müller. Deshalb hält er sich möglichst oft „auf dem Markt- platz“ auf: Schon um 7.15 Uhr ist er in der Schule unterwegs, bringt sich in Erinnerung, gibt Gelegenheit zum Austausch oder zur Terminabsprache. Dazu geht er durch die ganze Schule, ist in der Pausenhalle oder auf dem Schulhof als Ansprechpartner bereit.

Hilfe bei Sorgen und Krisen
 
Schulseelsorger Bruno Müller kennen alle im Clara-Fey-Gymnasium. Sein Angebot wird von diesen drei jungen Damen wert geschätzt.„Und ich schließe den Schülern gerne die Klassenräume auf“, berichtet der Seelsorger. Auch dadurch bekommt er Kontakt zu den Schülern, nimmt sich Zeit für kurze Gespräche und kann so oft schon abschätzen, ob irgendwo der Schuh drückt. Klinkenberg: „Da ist viel Vertrauensarbeit nötig, wir versuchen natürlich auch, dass die Schüler zu uns kommen und Unterstützung suchen.“

Bei den kleinen und größeren Alltagssorgen, aber auch bei echten Krisensituationen sind die Schulseelsorger zur Stelle. So berichtet Frank Klinkenberg von einem Todesfall eines Schüler. Da sei man dann vielseitig gefordert, sagt der Aachener Schulseelsorger: „Nicht nur die Schüler und Lehrer, auch Freunde, Eltern und weitere Angehörige brauchen in solchen Situationen Beistand.“

Müller ergänzt: „In solchen Fällen bin ich erst einmal als Mensch da. Aber auch im Gottesdienst können wir vieles aufarbeiten, Rituale zur Verarbeitung geben.“ Gerade auch in solchen Fällen arbeiten die Seelsorger eng mit den Priestern der Gemeinde zusammen.

Die Kirche zu den Jugendlichen bringen

Überhaupt ist den beiden Pastoralreferenten die Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinden und anderen kirchlichen Präsenzformen wie der Jugendkirche „new key“, den Gemeinschaften der Gemeinden oder auch der Krankenhausseelsorge sehr wichtig.

„Das ist für die Kirche eine große Chance, sich bei den Jugendlichen einzubringen“, sagt Bruno Müller. So werden auch zu den regelmäßigen, von den Schulseelsorger geplanten Eucharistiefeiern in der Schule regelmäßig Priester eingeladen. Außerdem werden Schüler und Lehrer mit in die Vorbereitung einbezogen, gerade auch bei den weiteren Schulgottesdiensten ohne Eucharistie.

Die Kooperation mit Schulleitung und Lehrern sei grundsätzlich sehr gut, konstatieren die „guten Seelen“ der Schulen. Klinkenberg: „Auch die Lehrer zeigen ein hohes Engagement, wenn es zu unterstützen und zu fördern gilt.“ Ständig seien die Schulseelsorger im Dialog mit dem Lehrpersonal, tauschen sich aus, geben sich Tipps. Klassische Anzeichen für Probleme bei Schülern seien auffälliges Verhalten und Leistungsabfall, berichtet Frank Klinkenberg, aber manchmal sei es wesentlich aufwendiger, Probleme zu erkennen und zu lösen. Dann sind oft Gespräche mit Lehrern, aber auch Freunden und Angehörigen notwendig.

Den richtigen Weg herausfinden

Allerdings müssen die Seelsorger nicht jedes Problem alleine lösen. „Wir müssen den richtigen Weg herausfinden“, sagt Klinkenberg. Das könne auch sein, Kontakt zu einer Beratungsstelle herzustellen oder sich anderweitig Unterstützung von außen zu suchen. Im Alltag ginge es aber oft darum, christliche Ethik und Werte so zu vermitteln, dass die Schüler sich darin aufgehoben fühlen und so verantwortlich handeln können.

Dazu bieten beide Seelsorger Besinnungstage an, an der Liebfrauenschule in den Klassen 9 und 13, am Clara-Fey-Gymnasium sogar dreimal, nämlich in den Klassen 8, 11 und 13. „In der 8. Klasse geht es um die eigene Standortbestimmung im Klassenverband, aber auch im Familien- und Freundeskreis“, so Müller. In der Jahrgangsstufe 11 gibt es durch das Kurssystem ein völlig neues Gefüge.

Sich gegenseitig kennen lernen und respektieren, kommunizieren und kooperieren seien hier vordringliche Themen. Bei der Fahrt des Abiturjahrganges ist der Blick zurück und der nach vorne wichtig: Wie war die Schulzeit, wie geht es weiter wie sieht es mit Zivildienst, Freiem Sozialen Jahr (FSJ) oder einem Auslandsjahr aus.

Weitere Projekte wie Meditationen oder Ausstellungen organisieren die Schulseelsorger ebenfalls. Regelmäßig geligt es Bruno Müller, Zeitzeugen oder namhafte Autoren an das Clara-Fey-Gymnasium zu holen, um den Schülern die Vergangenheit nahe zu bringen und sie für die Zukunft mit Wertemaßstäben zu wappnen. Gerade das Thema „Nationalsozialismus“ bietet hier viele Chancen, in einen lebendigen Dialog mit den Schülern über Verantwortung und Christsein einzusteigen.

Musik als Ausgleich und gemeinsames Erleben

 
Der Musikraum wurde von Bruno Müller initiiert, er ist selbst Musiker.Und Bruno Müller nutzt seine Fähigkeiten als Flötist und Sänger, um seine Schützlinge in Bandprojekten zu unterstützen. Gleich neben seinem Büro hat er für einen Proberaum gesorgt und bietet so eine weitere Möglichkeit für Ausgleich und gemeinschaftliches Erleben. Am wichtigsten sei aber, jederzeit Ansprechpartner zu sein. „Die Schüler wissen, da hat jemand Zeit, auch gegen den 45-Minuten-Rhythmus“, sagt Müller.

Jederzeit können die Schüler kommen und auch den Unterricht verlassen, wenn es „brennt“. Die Schulseelsorger entschuldigen dann den jeweiligen Schüler.

Schulseelsorger geben niemals Schulnoten

Hier und da springen die beiden Schulseelsorger auch schon einmal als Vertretungslehrer ein, gerade im Religionsunterricht ist das sehr sinnvoll. „Aber wir geben natürlich keine Noten“, betont Müller. Das käme einem Verrat an den Schüler gleich, Neutralität in Sachen Leistungsbewertung gegenüber den jungen Menschen und ein stabiles Vertrauensverhältnis stehen an erster Stelle, dürfen nicht gefährdet werden.

Eine weitere Aufgabe der Schulseelsorger ist schließlich, die pastorale Perspektive aufzuzeigen. So werden manche Unterrichtseinheiten zusammen mit den Lehrern geplant und gegeben, etwa zum Thema Gott und Evolution.

Warum wird man Schulseelsorger? Bruno Müller und Frank Klinkenberg haben ganz ähnliche Antworten. „Wir wollen Schule als Lebensraum gestalten, der über Unterricht und Schüler-Lehrer-Rolle hinausgeht“, so Müller. Beide Schulseelsorger wollen etwas an der Basis bewegen. „In der Breite des Dekanats wird die Tiefe der Seelsorge nicht erreicht“, sagt Klinkenberg. Bereits zu Zeiten des „Hauses Eich“ hat Klinkenberg im Jugendbildungshaus mit Jugendlichen Besinnungs- und Begegnungstage veranstaltet. „Da kam die ganze Bandbreite, Jugendliche aus verschiedensten Schulen“, berichtet Klinkenberg. Im „Haus Eich“ haben sich Müller und Klinkenberg auch kennengelernt. Gemeinsam arbeiten sie an neuen Konzepten der Schulseelsorge, tauschen sich aus und unterstützen sich.

Fragt man die jungen Menschen auf dem Schulhof nach „ihrem“ Seelsorger, bekommt man von den Schülern und Schülerinnen durchweg positive Aussagen über die Vertrauenspersonen.

Anscheinend kommt die Botschaft von Klinkenberg und Müller an: Sie laden dazu ein, im Vertrauen auf Gott das eigenen Leben zu gestalten, und zwar solidarisch mit den Mitmenschen und sozial verantwortlich.