Abschied von Bruno

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Während des Schulgründungsgottesdienstes Ende März, der traditionell im Rahmen der hl. Messe am Laetare-Sonntag mit der Gemeinde gefeiert wird, wurde Schulseelsorger Bruno Müller nach 17 Jahren Tätigkeit in der GdG Schleiden/Hellenthal bzw. der Bischöflichen Clara-Fey-Schule feierlich verabschiedet. Vor der Würdigung seiner vielfältigen Tätigkeiten spielte Pfr. Cuck mehrere, die berufliche Motivation des Musikbegeisterten widerspiegelnde, Songs der Beatles an.

In seinen Fürbitten berücksichtigte Bruno Müller alle Menschen der Schulgemeinde sowie der GdG, denen er ausdrücklich für ihre vielfältigen Kooperationen dankte. Als Kern seiner schulseelsorgerischen Arbeit formulierte er: „Eine Kirche, die den Menschen unserer Tage nicht dient, dient zu nichts!“

Anschließend lud der CFS-Förderverein zum Imbiss in die Mensa ein, in dessen Zentrum die Dankesrede des Schulleiters Helmut Schuster stand. Aus der Vielzahl der Aktivitäten Bruno Müllers betonte er besonders die von ihm initiierten Ausstellungen, u.a. die Kunstausstellung „Gottes Spuren in der Schöpfung“ von Peter Hodiamont sowie hochkarätige Vortragsveranstaltungen, z.B. mit Anita Lasker-Wallfisch (überlebende Cellistin des Mädchenorchesters Auschwitz). Mehrere Schulpartnerschaften, u.a. mit Misereor, gehen auf seine nachhaltigen Bemühungen zurück, seine zahlreichen Beziehungen in die Kirchenmusik-Szene verhalfen zu einigen großartigen Konzerten und Auftritten, u.a. von Ludger Edelkötter, Ruhama und Los Masis. Ebenso ist er verantwortlich für die thematisch aufeinander aufbauenden Tage der Orientierung in den Jahrgangsstufen 8, EF und Q2 sowie für das an die gegenwärtigen Realitäten angepasste, schulinterne Gottesdienst-Konzept, das sowohl Eucharistiefeiern mit den Pfarrern unserer Region als auch mit der Bistumsleitung und herausragenden Persönlichkeiten kirchlichen Lebens vorsieht. Wortgottesdienste mit allen Schülerinnen und Schülern der gesamten Schulgemeinde fanden regelmäßig unter der Leitung von Bruno zu Ostern, Weihnachten und Aschermittwoch statt. Seine Musikbegeisterung äußerte sich auch in der Einbeziehung zahlreiche Schülerbands.

Ein besonderes Anliegen war Müller stets die individuell gestaltete Karte des Weihnachtsgrußes der Schule. Als Abschiedsgeschenk überreichte der Schulleiter eine Zusammenstellung all dieser Karten als Erinnerung und mit guten Wünschen für den nächsten Lebensabschnitt.

In den Wortgottesdiensten vor den Osterferien verabschiedete sich Bruno von allen Schülerinnen und Schülern. In einem Gespräch mit dem Lehrer Christoph Leisten fasste er für ihn wichtige Merkmale seiner Arbeit der letzten 17 Jahren noch einmal zusammen:

Lieber Bruno, in den letzten 17 Jahren hast du in vielen Bereichen bedeutende Impulse an unserer Schule gesetzt.  - Mit welchen Erwartungen bist du eigentlich an das CFG gekommen?

Es war gut, dass ich vor meinem Antritt die Gelegenheit hatte, Schulpastoral, die ja etwas ganz anderes ist als Gemeindearbeit, mit ihren ganz eigenen Abläufen kennenzulernen. Mir war dann sehr schnell klar, dass es bei der Schulseelsorge nicht nur um Kinder und Jugendliche, sondern auch um alle anderen am System Beteiligen geht – die Familien der Kinder, die Lehrerinnen und Lehrer. Entscheidend ist dabei, dass man es – anders als bei der Jugendpastoral – in Schule mit einer Pflichtveranstaltung zu tun hat. So war ich zunächst einmal sehr erwartungsfroh, an einem Ort arbeiten zu dürfen, an dem junge Menschen sind und an dem man sich mit jungen Menschen beschäftigt. Es war reizvoll, hier ein Angebot von Kirche und Glaubenszeugnis auf Augenhöhe zu machen.

Wie waren deine ersten Erfahrungen, als du an die Schule kamst?

Es war für mich von Anfang an beeindruckend, wie viel Bereitschaft es gab, sich auf die Angebote einzulassen, und dass es eine große Aufmerksamkeit dabei gab.  Mir war dabei wichtig:  dieses gemeinsame Sich-auf-den-Weg machen und die Frage, wie diese Botschaft, die mein Leben ja geprägt hat und die doch auch hochpolitisch ist, als Angebot weitergegeben werden kann, ohne die Kinder und Jugendlichen zu instrumentalisieren. Für mich hat Kirche vor allem die Aufgabe, zum Gelingen dieser Welt beizutragen, also dazu, dass das Miteinander – auch global – ein bisschen besser gelingt, und das in dem wunderbaren Symbol des großen Tischs, an dem wir alle sitzen und wo das Brot des Lebens miteinander geteilt wird. Das ist pulsierendes Leben. Übrigens war ich daher auch immer dankbar, an einer Schule zu sein, in der wir die Gottesdienste im PZ oder auf dem Schulhof feiern, also dort, wo das Leben ist, und nicht in irgendeinem sakralen „Kunstraum“.

Du sprichst gerade die Räume an, in denen „das Leben pulsiert“. Den entscheidenden Impuls für die Ausgestaltung der Mensa, so wie sie ist, durch den Architekten Andreas Lebender, gehen auf dich zurück...

Ja, die Mensa ist für mich das eigentliche Sakramentengebäude der Schule geworden, dieser gemeinsame Raum, dieser große gemeinsame Tisch, wo jeder einblicken kann, wo die Schöpfung, die Natur durch die Fenster ins Gebäude reinkommt, wo man mit der Schöpfung verbunden ist. Das ist ein wunderbares Symbol.

Deine Arbeit hast du einmal mit den Worten umschrieben, dass du als „der Bruno“ da sein wolltest, wenn es nötig ist. - Was macht Schulseelsorge in deinen Augen aus?

Es kommt meines Erachtens sehr stark darauf an, was für ein Typ du bist. Ich habe eigentlich kein anderes Werkzeug als das, was als „der Bruno“ in Erscheinung tritt, als jemand, „einfach da ist“ und das Risiko der Begegnung wagt. Daraus ergaben sich viele Gesprächssituationen, manchmal auch über Alltägliches, aber dieses „Da-Sein“ bezog sich natürlich auch darauf, jederzeit erreichbar zu sein, präsent zu sein, wenn es für jemanden wichtig war. Und da ging es dann ganz oft auch um sehr persönliche Dinge, wobei man sicher sein könnte, dass die Verschwiegenheit immer gewahrt blieb.

Du hast auch mit vielen außerunterrichtlichen Aktivitäten das Schulleben sehr bereichert. Was war dabei – in deinen Augen – dein Kerngeschäft?

Sicherlich – auch – die Orientierungstage. Hier eine Atmosphäre zu schaffen, dass jeder mit seinen Belangen zu Wort kommen konnte und seine Sprechzeit hatte, dass Jugendliche sich öffneten – das war für mich sprichwörtlich „heiliger Boden“, der Ehrfurcht erfordert. Dass wir hier Räume eröffnen konnten, in denen es auch ans „Eingemachte“ ging, wo Jugendliche einander den Schlüssel zum Verstehen ihrer selbst angereicht haben, das war mir sehr wichtig. Wichtiger auch als die Sonderveranstaltungen, die wir gemacht haben, obwohl es natürlich auch hier sehr besondere Momente gab.

Der Katalog der Veranstaltungen und Begegnungen, die durch dich möglich wurden, ist sehr beeindruckend...

Das mag sein. Wir hatten viele charismatische Persönlichkeiten zu Gast, ich denke an die Auschwitz-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch oder an Pirmin Spiegel, und man müsste da eigentlich noch viele, viele andere nennen. Auch die Ausstellungen, die wir gemacht haben, waren außergewöhnliche Erfahrungsräume. Besonders wichtig war aber auch die Zusammenarbeit mit der Caritas und mit den Hilfswerken, und auch da kam es mir immer vor allem auf die Begegnungen mit den Menschen an, die ihnen ein Gesicht geben. 

Besondere Momente, die in Erinnerung bleiben?

Viele, sehr viele. Insbesondere eben bei diesen eindrucksvollen Begegnungen,  oder bei der Arbeit einer Klasse am Hungertuch zur Situation von Flüchtlingen, oder auch manchmal in den Gottesdiensten: Ich denke zum Beispiel daran, als unsere Musiker einmal zusammen mit  dem Sinto-Komponisten Roger Moreno musizierten, das waren so Momente, in denen plötzlich eine wunderbare Gemeinschaft da war, in der etwas spürbar war von dem, was Kirche in meinen Augen ausmacht. Und solche Momente gab es oft.

Lieber Bruno, uns bleibt nur, dir von ganzem Herzen für deine tief beeindruckende Arbeit der vergangenen siebzehn Jahre, der unsere gesamte Schulgemeinschaft vieles zu verdanken hat, zu danken, und dir alles erdenklich Gute für deinen Ruhestand zu wünschen:  Gesundheit, Wohlergehen und Gottes Segen. – Was möchtest du deiner Nachfolgerin mit auf den Weg geben?

Zunächst einmal: Ich bin sehr froh und dankbar, dass Astrid Sistig meine Nachfolge antritt. Ich wünsche ihr, dass es an dieser Schule weiterhin gelingt, Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen, sodass Momente des Miteinanders entstehen und man sich dafür einsetzt, diese Welt ein bisschen mehr zu einem Ort der Gemeinschaft zu machen.

Eine ausführlichere Fassung dieses Interviews erscheint im CFS-Jahrbuch 2019.